Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/02/pm_035.php 17.02.2025 07:44:34 Uhr 05.04.2025 05:59:34 Uhr |
|
Oberbürgermeister Dirk Hilbert zum Tod von Gerhart Baum
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Sonnabend, 15. Februar 2025„Ein großer Dresdner ist von uns gegangen. Die Nachricht, dass Gerhart Baum im Alter von 92 Jahren gestorben ist, bewegt mich persönlich und sicherlich viele Menschen in ganz Deutschland. Nur wenige Politiker seiner Generation genossen ein so hohes Ansehen in unserem Land. Nicht nur sein Wirken als Bundesinnenminister reicht weit über seinen Tod hinaus. Gerade auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik hatte seine Stimme immer großes Gewicht, wenn es um die Grundwerte unserer freiheitlichen Demokratie ging. Er wird uns immer als großer Streiter für die Freiheit in Erinnerung bleiben. Als seine Geburtsstadt hat Dresden nun die Aufgabe, sein Andenken zu bewahren."
Am 13. Februar 2025 wollte Gerhart Baum eigentlich am Podium zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages des 13. Februar 1945 im Dresdner Rathaus teilnehmen, musste aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. Morgen am 16. Februar 2025 wird wieder der Friedenspreis Dresden in der Semperoper verliehen – nun leider ohne den Präsidenten des Kuratoriums. Die Initiative Friedenspreis Dresden ehrt in diesem Jahr den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und verleiht ihm am Sonntag, 16. Februar 2025, in der Semperoper Dresden den Friedenspreis. Präsident Marko Bošnjak wird den Preis persönlich entgegennehmen.
Gerhart Rudolf Baum wurde am 28. Oktober 1932 in Dresden geboren. Während des Zweiten Weltkriegs erlebte er die Bombardierung der Stadt im Februar 1945. Kurz darauf floh seine Mutter mit ihm und seinen beiden jüngeren Geschwistern an den Tegernsee in Oberbayern. Sein Vater, der an der Ostfront kämpfte, geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und verstarb dort. 1950 zog die Familie nach Köln, wo Baum später Rechtswissenschaften studierte und als Anwalt tätig wurde. Baum war von 1972 bis 1978 Parlamentarischer Staatssekretär bei den damaligen Bundesinnenministern Hans-Dietrich Genscher und Werner Maihofer und von Juni 1978 bis September 1982 Bundesinnenminister in den Kabinetten Schmidt II und Schmidt III.
1994 schied Baum aus dem Bundestag aus, sein Kampf für Bürgerrechte aber ging weiter. Gleich mehrfach legte er Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein, zum Beispiel gegen den sogenannten Großen Lauschangriff - und bekam Recht. Als Rechtsanwalt vertrat er unter anderem Opfer des Ramstein-Unglücks, sowjetische Zwangsarbeiter und Betroffene der Loveparade-Katastrophe in Duisburg. Für seinen Einsatz für Bürger- und Menschenrechte erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1980 das Bundesverdienstkreuz.
Trotz seines Weggangs aus Dresden blieb Baum seiner Geburtsstadt eng verbunden. Neben seinem politischen Wirken war Gerhart Baum als bekannter Bürgerrechtler und Umweltschützer aktiv. Gerhart Baum war engagiertes Ehrenmitglied des Vereins „Friends of Dresden“, später Präsident des Kuratoriums des Friedenspreises Dresden. In dieser Funktion verlieh er im Jahr 2010 den ersten Friedenspreis Dresden an Michail Gorbatschow und betonte dabei die Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements für politische Veränderungen. In einem Interview erklärte er: "Politiker allein können die Welt nicht verändern; die Zivilgesellschaft selbst muss sich einbringen."
Er war zudem Mitglied im Kuratorium der Kulturhauptstadtbewerbung und hat die Stadt Dresden in der Intention, Dialogfähigkeit der Stadtgesellschaft und Toleranz zu befördern, unterstützt.